Das exzessive Leben

in den 20ern Berlins.

Berlin war das Zentrum des Kaiserreiches, das mit Ende des Krieges zusammengebrochen ist. Die Welt von Gestern galt nichts mehr, völlig neue Ideale entstanden. Genuss war alles. Die Expressionisten waren die ersten, die Kokain, Morphium und Heroin nahmen und in ihren Kunstwerken darstellen.

Berlin war damals wie auch heute groß, jung, anonym.
1920 war ein Drittel aller Berliner jünger als 30 Jahre.
Viele Einwohner hatte es aus allen Teilen Deutschlands, aus allen Teile der Welt hierher verschlagen. Allein rund 200.000 Russen lebten in der Stadt – geflohen wegen der Oktoberrevolution. Beinahe alle Gesellschaftsschichten, die künstlerische Avantgarde, die Halb- und Unterwelt - alle tanzten auf sehr dünnem Eis.

Kokain war die Modedroge im Berlin der "wilden Zwanziger", der Treibstoff der neuen, schnellen Zeit. Radrennfahrer der ersten Sechstagerennen im Sportpalast schluckten Kokain als Dopingmittel, Künstler suchten in der Droge eine Quelle der Inspiration. Doch zunächst war es nur eine kleine Szene. Sie explodierte nach dem ersten Weltkrieg: Berlin wurde nun die Welthauptstadt des Kokains.

"Das Koksen’ war... in manchen Berliner Kreisen am Rande der Künstlerwelt große Mode, man hielt das Laster für interessant oder geniehaft... Rauschgiftler sind Missionare ihrer Neigung, immer auf Seelenfang aus, ... man musste sich ihrer erwehren. Ich selbst habe mich, obwohl in meiner Umgebung zeitweise das Kokain eimer- und mehlsackweise verschnupft wurde, nie damit eingelassen. "Mir war das ekelhaft, schon wegen der entzündeten Nasenlöcher",
berichtete Carl Zuckmayer.

So unterschiedliche Autoren wie Johannes R. Becher und
Ernst Jünger waren der Droge nicht abgeneigt.
Gottfried Benn dichtete: "Oh Nacht! Ich nahm schon Kokain..." Keiner aber trieb es so toll wie die Nacktänzerin und Filmschauspielerin Anita Berber,
der wohl exzentrischste Star der zwanziger Jahre.